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Europa – Symbol und Realität

Eröffnung des CCCEE | Cologne-Bonn Centre for Central and Eastern Europe – EGMR-Richterin Nußberger spricht zum Thema „Wie viele Europas gibt es in Europa?“

Zur offiziellen Eröffnungsfeier des CCCEE kamen rund 130 Gäste, zu denen zunächst Prof. Dr. Stefan Grohé, Dekan der Philosophischen Fakultät sowie Prof. Dr. Martin Aust, Leiter der Abteilung für osteuropäische Geschichte der Universität Bonn und stellvertretender Sprecher des CCCEE, sprachen. Beide unterstrichen die Bedeutung und das Potenzial des neuen Osteuropa-Zentrums für Köln und Bonn. Der Kölner Dekan hob außerdem hervor, dass eine enge Zusammenarbeit der Nachbaruniversitäten erwünscht und ein gemeinsamer Studiengang bereits geplant sei, der künftig über das CCCEE koordiniert werde.

Bei der Eröffnungsrede vertrat Prof. Dr. Alfred Sproede die Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde (DGO), deren Präsident Ruprecht Polenz, der seine Teilnahme kurzfristig absagen musste. Der Münsteraner Slavist hob die Perspektive seiner Vorredner vom Köln-Bonner-Raum auf Bundesebene, als er von der Gründung des Zentrums für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS) in Berlin berichtete, an der die DGO maßgeblich beteiligt ist. In Bezug auf das CCCEE wünschte sich Sproede eine fruchtbare und ergänzende Zusammenarbeit zwischen Köln-Bonn und Berlin.

Eine europäische Perspektive lieferte Prof. Dr. Dr. h.c. Angelika Nußberger, M.A., Richterin am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, in ihrem Festvortrag „Wie viele Europas gibt es in Europa? Verbindendes und Trennendes in einer bewegten Zeit“. Darin blickte sie über das geographische Europa hinaus und entwarf ein Panorama dreier Europas. Die Zahl von drei Europas gewann Nußberger aus dem Blick auf die beiden institutionalisierten Europas des Europarates und der EU sowie dirttens dem gefühlten Europa der Werte und Ideen. Dies erläuterte sie zunächst anhand aktueller politischer Entwicklungen, wie dem Wiederaufflammen der Kämpfe zwischen Armenien und Aserbaidschan um die Region Berg-Karabach oder dem niederländischen Referendum über das Assoziationsabkommen zwischen EU und Ukraine. In einem zweiten Schritt begegnete sie der subjektiven Haltung zur EU mit grundsätzlichen Fragen zur Europäizität. Europa werde positiv mit Hoffnung und negativ mit Illusion in Verbindung gebracht, mit Völkerverständigung und gemeinsamen Werten aber auch mit Souveränitätsverlust und einer deutschen Hegemonie. Deshalb gäbe es eine Tendenz die Legitimität der EU in Frage zu stellen. Diese Diskussion werde u.a. in Ungarn und Polen auch als Wertediskussion geführt, in der die konträr wirkenden Kräfte der Grund- und Menschenrechte evident würden. Diese Rechte finden ihren Ausdruck sowohl in der Wahrung der Tradition als auch in der Neudefinition von Werten. Nußberger rief einen Aufsatz des Völker- und Europarechtlers Christian Tomuschat in Erinnerung, der jüngst darauf hingewiesen hatte, dass die Einführung und Durchsetzung von Grund- und Menschenrechten eine Absage und teilweise sogar eine Kampfansage an bestehende gesellschaftliche Verhältnisse bedeute. Eine Auseinandersetzung mit dem Wandel sei somit unumgänglich. Für ein Weiterbestehen der EU sprechen für Nußberger aber drei Gründe. Erstens seien Institutionen langlebig, zweitens seien keine alternativen Zusammenschlüsse erkennbar und drittens bleibe das „Dazugehören“ wichtig, da Isolation als traumatisch empfunden werde und eine Trennung notwendigerweise ein Neubeginn der Beziehungen bedeute.

Auch dem Beginn des Köln-Bonner Osteuropazentrum ging eine Trennung voraus. Das Vorgängerzentrum (Zentrum für Osteuropa, ZOE), das sich in seiner Arbeit auf den Standort Köln und auf die Geisteswissenschaften konzentriert hatte, wurde aufgelöst und verändert wiedergegründet. Mit dem Neubeginn des CCCEE wird dem Bedürfnis des status collectivus Rechnung getragen. Das CCCEE steht mit seiner Arbeit für eine Intensivierung der fakultäts- sowie universitätsübergreifenden Beziehungen und integriert zivilgesellschaftliche Vereinigungen. Spannend erscheinen beispielsweise die Synergien, die durch die Zusammenarbeit zwischen Prof. Dr. Martin Avenarius, der den Lehrstuhl für Römisches Recht innehat und dem Slavisten Prof. Dr. Jörg Schulte entstehen könnten. Beide haben sich intensiv mit der Antikerezeption in Osteuropa beschäftigt. Auch eine mögliche Kooperation zwischen der Kölner Osteuropahistorikerin Prof. Dr. Maike Lehmann, die einen Arbeitsschwerpunkt in der armenischen Geschichte hat, und dem Bonner Kompetenz-Netzwerk Crossroads Asia hat großes Potenzial. Die Aufgabe des CCCEE wird es sein, diese und andere Potentiale, die in der Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Disziplinen und den beiden Universitäten Bonn und Köln liegen, auszuschöpfen. In diesem Sinne hofft das CCCEE auf eine intensive und fruchtbare Zusammenarbeit.

 

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(Die Karte stellt in ihrer Farbgebung vornehmlich slawische Sprachengruppen dar, die zurzeit im regionalwissenschaftlichen Studiengang der Universität zu Köln studiert werden können.)

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Das CCCEE | Cologne-Bonn Centre for Central and Eastern Europe ist ein interdisziplinärer Zusammenschluss osteuropaspezifischer Forschungseinrichtungen der Universitäten Köln und Bonn sowie außeruniversitärer Einrichtungen, die sich der Erforschung Osteuropas widmen. Seit seiner Gründung hat das CCCEE die institutionellen und inhaltlichen Verknüpfungen der beteiligten Einrichtungen im Sinne der Forschung und Lehre gestärkt. Die Synergien bereiteten 2015 den Weg für die Universitätspartnerschaft der Universität zu Köln mit der Moskauer Higher School of Economics. Ein gemeinsamer regionalwissenschaftlicher Studiengang der Universitäten Köln und Bonn ist geplant. Die Veranstaltungen des CCCEE erreichen immer wieder die Öffentlichkeit auch fernab des Campus.

Zur offiziellen Eröffnungsfeier des CCCEE laden wir Sie herzlich ein.

 

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PROGRAMM

 

BEGRÜSSUNG

Prof. Dr. Stefan Grohé, Dekan der Philosophischen Fakultät, Köln


BEGRÜSSUNG

Prof. Dr. Martin Aust, osteuropäische Geschichte, Bonn
und stellv. Sprecher des CCCEE

 

ERÖFFNUNGSREDE

Ruprecht Polenz, Präsident der Deutschen Gesellschaft
für Osteuropakunde (tbc)

 

FESTVORTRAG

„Wie viele Europas gibt es in Europa?
Verbindendes und Trennendes in einer bewegten Zeit“

Prof. Dr. Dr. h.c. Angelika Nußberger, M.A.

 

 

Um Anmeldung wird gebeten. Gerne können Sie sich formlos per E-Mail an inst.ostrecht(at)uni-koeln.de oder telefonisch unter 0221 470-5575 (Frau Schneider) anmelden.

 

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