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Warum Revolution verstehen?

An Revolutionen scheiden sich die Geister. Denn ihr radikaler Bruch mit dem Bestehenden und der Versuch, etwas Neues zu schaffen, produziert eine schwierige, oft fatale Mischung aus Hoffnung und Gewalt, Repression und Enthusiasmus, Gerechtigkeitsstreben und Willkür. Paradigmatisch hierfür steht die Oktoberrevolution im Russischen Reich vor 100 Jahren, die dem Demokratisierungsbestreben der vorangegangenen Februarrevolution mit ihren unterschiedlichen Akteuren ein abruptes Ende setzte. Allerdings überdeckt gerade dieses bestimmte Verständnis von Revolution mitunter die Kontexte und die Traditionslinien, in denen sich Folgegenerationen bewegen. Denn die Attraktivität einer Revolution mit sozialistischen Zielsetzungen, ist aus einer ‚westlichen‘ Perspektive mitunter kaum noch verständlich. Und die ungleich gewaltfreieren Revolutionen in Ostmitteleuropa und der DDR schienen sich nun endgültig von den revolutionären Experimenten der Anfangszeit gelöst zu haben.

Zugleich aber fordern heute revolutionäre Umstürze wie die so genannte Arabellion oder der Maidan unser Selbstverständnis heraus, zumal auch hier die Gewalt die romantischen Anfänge schnell eingeholt hat. Und obwohl die Medien uns regelmäßig die Jahrestage in Erinnerung rufen, so bewegt sich das, was Revolution bedeutet, tatsächlich meist jenseits unseres Allgemeinwissens.

Zum Ende des Jubiläumsjahres 2017 möchte die Ringvorlesung nun eine Plattform schaffen, auf der wir gemeinsam über das Verständnis von Revolution nachdenken. Dabei geht es nicht nur um ein besseres Verständnis dessen, was die jeweiligen revolutionären Kontexte, ihre Interpretation und ihre Dynamik kennzeichnete. Vor allem möchten die Vorträge und Diskussionen gerade auch die Vorannahmen reflektieren, die wir an diese Umstürze herantragen.

Weitere Informationen zu den Vortragenden finden Sie auf der Seite der Abteilung für Osteuropäische Geschichte der Universität Köln.